Der Weihnachtsbaum & ein paar abendliche Gedanken

Moin moin, was eine Adventszeit. Sie rauscht an mir vorbei. Ihr kauft meinen Shop leer & ich freue mich sehr über die viele Arbeit. Doch tatsächlich vergesse, trotz meines Vorhabens, immer mal wieder kurz inne zu halten, durchzuatmen und mich so richtig zu freuen. Zurück zu blicken, Traditionen zu genießen oder zu hinterfragen. Deshalb heute so spät aber um so wichtiger Ann-Christins neue Weihnachtsgeschichte für dich. Mach dir einen Tee, mach es dir gemütlich und genieße den Moment.

 

Der Weihnachtsbaum

Der Schnee unter ihren Füßen machte leise und knirschende Geräusche, als sie durch den Wald stapften. Ihr Atem waberte gut sichtbar durch die eiskalte Luft und verweilte noch einige Herzschläge, bevor er sich auflöste. Die Äste der Tannen um sie herum waren mit einer dicken Schicht Schnee beladen, nur hin und wieder lugte eine der dunkelgrünen Nadeln aus dem weißen Mantel hervor. Nils konnte die Spuren von Eichhörnchen und Kaninchen erkennen, die die Tiere im Schnee hinterlassen hatten. Außer ihren eigenen Schritten und ihrem Atem hörte er nichts. Es war, als hätte der Schnee sich wie eine dicke Decke aus weißer Watte über den Wald gelegt, die jedes Geräusch – das Rascheln der Mäuse, die Stimmen der Vögel und die rauschenden Blätter – dämpfte. Trotz der Aufregung setzte Nils seine Füße so leise wie nur möglich auf, um die Stille nicht zu stören. Heute war es endlich soweit – auf diesen Tag hatte er schon die ganze Woche hin gefiebert. Heute würden sie den Baum schlagen.

Bisher hatte Nils noch nie dabei sein dürfen, wenn Papa in den Wald ging, um den Weihnachtsbaum zu fällen. Mama sagte, er sei noch zu klein. Ja, er hatte ihr helfen dürfen den Baum mit glänzenden Kugeln zu schmücken und funkelndes Lametta über die Zweige zu hängen. Aber den Weihnachtsbaum richtig auszusuchen war etwas ganz Anderes! Außerdem war er jetzt schon groß, weil er nächstes Jahr in die Schule kam. Das hatte auch Mama eingesehen und ihm erlaubt mit Papa in den Wald zu gehen. Stolz zog er seine Mütze noch etwas tiefer über die kalten Ohren und machte große Schritte, um Papa einzuholen. Auf einmal kam Nils ein Gedanke.

„Papa? Was passiert eigentlich mit den Weihnachtsbäumen? Ich meine, wenn Weihnachten vorbei ist?“

Papa machte das Geräusch, das er immer machte, wenn er überlegte.

„Nun, wenn sie einmal geschlagen sind, fehlen ihnen die Wurzeln und können nicht weiterwachsen. Dann werden sie verbrannt.“

„Aber das heißt ja, dass sie nie wieder Weihnachten erleben!“

„Ja, das heißt es wohl.“

Stolz und Aufregung waren plötzlich verflogen. Nie wieder Weihnachten erleben?

„Dann will ich keinen Weihnachtsbaum mehr.“, sagte Nils und blieb stehen. Seine Schuhe sanken tief in den dichten Schnee hinab. Auch Papa blieb stehen.

„Hattest du dich nicht schon so sehr darauf gefreut, einen Baum auszusuchen?“, fragte er und sah ihn nachdenklich an.

„Doch, das hatte ich. Aber ich will auch nicht, dass der Baum wegen mir kein Weihnachten mehr haben darf.“

Papa nickte und drehte sich um.

„Bist du jetzt böse auf mich?“ Nils fragte es ganz kleinlaut und schaute zu seinen Füßen hinunter.

„Nein. Ganz im Gegenteil.“, sagte Papa und lächelte.

Dann gingen sie den Weg zurück, den sie gekommen waren.

Eine Weihnachtsgeschichte – geschrieben von Ann-Christin Schmitt-Rogalla

2 Comments
  • jutta

    9. Dezember 2018 at 6:43 Antworten

    wieder eine schöne weihnachtsgeschichte….habe sie allerdings bei einer tasse kaffee genossen – heute morgen.

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